{"id":5324,"date":"2026-08-17T12:25:27","date_gmt":"2026-08-17T12:25:27","guid":{"rendered":"https:\/\/konkrethik.de\/?p=5324"},"modified":"2026-08-17T12:45:08","modified_gmt":"2026-08-17T12:45:08","slug":"redeskript-von-prof-dr-thomas-druyen-zur-pressekonferenz-zum-buch-die-wiederkehrdes-guten-ueber-die-macht-der-tat-in-einer-welt-der-absichten-am-17-08-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/konkrethik.de\/?p=5324","title":{"rendered":"Redeskript von Prof. Dr. Thomas Druyen zur Pressekonferenz zum Buch \u201eDie Wiederkehrdes Guten \u2013 \u00dcber die Macht der Tat in einer Welt der Absichten\u201c am 17.08.2026"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-left wp-block-paragraph\"><strong>Redeskript von Prof. Dr. Thomas Druyen zur Pressekonferenz zum Buch \u201eDie Wiederkehrdes Guten \u2013 \u00dcber die Macht der Tat in einer Welt der Absichten\u201c am 17.08.2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left wp-block-paragraph\">Hallo zusammen,  willkommen im opta data Videostudio und zu meiner Buchvorstellung. Ein toller Moment f\u00fcr<br>mich, denn die Publikation beinhaltet zwanzig Jahre Reflexion. Das Buch selbst ist eine ausgekl\u00fcgelte Waschstra\u00dfe f\u00fcr unseren Kopf. Und ich hoffe, ich kann sie befl\u00fcgeln. Dann geht\u2019s los, nach dem Motto: gesagt, getan.<br><br>Das B\u00f6se ist heute schneller, digitaler und viel besser organisiert als das Gute. Das ist keine rhetorische \u00dcbertreibung. Es ist die brandgef\u00e4hrliche Ausgangslage unserer Gegenwart. Wir halten die Werkzeuge der Zukunft in den H\u00e4nden. Aber wir reagieren noch immer mit den Reflexen der Vergangenheit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left wp-block-paragraph\">K\u00fcnstliche Intelligenz verarbeitet in Sekunden, wof\u00fcr Menschen fr\u00fcher Jahre brauchten. Sie analysiert Daten, erzeugt Bilder, schreibt Programme, beeinflusst Entscheidungen, steuert Maschinen\/M\u00e4rkte und ver\u00e4ndert unsere Vorstellung davon, was \u00fcberhaupt m\u00f6glich ist. Diese Entwicklung ist atemraubend und sie ist unumkehrbar. Unsere Institutionen, unsere Kulturen und unsere Denkweisen ver\u00e4ndern sich jedoch viel langsamer. Die Technologie beschleunigt exponentiell. Der Mensch tritt total auf der Stelle. Genau darin liegt die epochale und existentielle Herausforderung. Der Mensch ist noch nicht d\u00fcmmer. Aber unsere Welt ver\u00e4ndert sich viel schneller, als wir das verarbeiten k\u00f6nnen. Wir empfangen immer mehr Informationen, haben aber immer weniger Zeit, sie zu pr\u00fcfen. Wir reagieren, bevor wir verstanden haben. Wir urteilen, bevor wir wissen. Wir teilen, bevor wir kontrolliert haben und wir entscheiden, bevor wir die Folgen unseres Handeln wirklich verstehen. Das ist die mentale Krise der Gegenwart.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left wp-block-paragraph\">Das ist keine psychiatrische Diagnose. Das ist unser zivilisatorischer Zustand und in dieser Form noch nie dagewesen! Die Geschwindigkeit der Reize w\u00e4chst schneller als die Qualit\u00e4t ihrer Verarbeitung. Zwischen Ereignis und Reaktion verschwindet der Raum, in dem Besonnenheit, Objektivit\u00e4t und Verantwortung entstehen k\u00f6nnten. Unser Gehirn ist das gro\u00dfartigste Organ, aber es ist zun\u00e4chst ein \u00dcberlebensorgan. Es sucht nicht automatisch nach Wahrheit. Es sucht nach Sicherheit, Best\u00e4tigung, Zugeh\u00f6rigkeit und schneller Orientierung. Was uns bedroht, emp\u00f6rt oder verunsichert, erh\u00e4lt sofort unsere Aufmerksamkeit. Der Alarm<br>kommt zuerst. Die sorgf\u00e4ltige Pr\u00fcfung folgt danach, leider immer \u00f6fter zu sp\u00e4t, meistens aber gar nicht. Genau diese mentalen Muster werden heute von k\u00fcnstlichen Algorithmen angesprochen. Emp\u00f6rung erzeugt Aufmerksamkeit. Angst erzeugt Bindung. Feindbilder vereinfachen die Welt. Wiederholung wird mit Wahrheit verwechselt. Lautst\u00e4rke ersetzt Begr\u00fcndung. Reichweite verdr\u00e4ngt Wahrheit. Darin liegt unsere mentale und epochale Krise:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left wp-block-paragraph\">Unsere M\u00f6glichkeiten sind gewaltig und unfassbar gewachsen.<br>Unsere F\u00e4higkeit, mit diesen M\u00f6glichkeiten verantwortlich umzugehen aber, hinken dramatisch hinterher. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left wp-block-paragraph\">K\u00fcnstliche Intelligenz ist dabei weder gut noch b\u00f6se. Sie kann Krankheiten fr\u00fcher erkennen, Forschung beschleunigen, Bildung personalisieren, Widerspr\u00fcche aufdecken und Manipulationen sichtbar machen. Sie kann von unsch\u00e4tzbarem Nutzen sein. Nat\u00fcrlich aber kann dieselbe Technologie t\u00e4uschen, kontrollieren, vernichten, zerst\u00f6ren und entm\u00fcndigen. Eine Drohne kann eine Blutkonserve in ein unzug\u00e4ngliches Gebiet bringen. Sie kann ebenso einen Menschen t\u00f6ten. Aber nicht die Technologie entscheidet. Der Mensch entscheidet. Noch. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left wp-block-paragraph\">KI erweitert unsere M\u00f6glichkeiten unentwegt. Doch auf diese Verantwortung ist der Mensch mental nicht vorbereitet. Gerade w\u00e4chst seine Macht schneller als seine Impulskontrolle. Fundamentales Begehren, grenzenloser Egozentrismus und gigantische Technologien knallen aufeinander. Jetzt bekommt das B\u00f6se einen historischen Wirkungsbeschleuniger. Und genau da<br>sind wir jetzt. Aber was ist das B\u00f6se? Das B\u00f6se ist die absichtliche oder billigend in Kauf genommene Sch\u00e4digung von Menschen, W\u00fcrde, Freiheit, Wahrheit und Zukunft zugunsten von Macht, Besitz, Lust, Ideologie oder egozentrischem Begehren. Noch k\u00fcrzer: Das B\u00f6se beginnt, wenn das Ich sich f\u00fcr die ganze Welt h\u00e4lt und andere Menschen nur noch als Mittel benutzt. Das B\u00f6se beginnt<br>nicht erst beim Krieg, beim Terror oder beim Verbrechen. Dort zeigt es seine brutalsten Folgen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left wp-block-paragraph\">Sein Anfang ist h\u00e4ufig viel allt\u00e4glicher. Ein Begehren wird zum vermeintlichen Recht. Eine Kr\u00e4nkung wird zur Rache. Ein Vorurteil wird zur Gewissheit. Eine L\u00fcge wird so lange wiederholt bis Millionen Menschen sie f\u00fcr wahr halten. Ein wirtschaftlicher Vorteil wird verfolgt, obwohl andere Menschen daf\u00fcr den Preis bezahlen. Verantwortung wird abgeschoben. Schaden wird verschleiert. Die eigene Meinung wird mit der Wahrheit verwechselt. Leider besitzt das B\u00f6se heutzutage vier gewaltige Wettbewerbsvorteile: Es handelt viel schneller. Es kennt keine Hemmungen. Es benutzt jede verf\u00fcgbare Technologie. Und es l\u00e4sst andere bedingungslos f\u00fcr die Folgen bezahlen. Das B\u00f6se ist l\u00e4ngst viel besser organisiert. Das Gute tr\u00e4umt von Idealen. Deshalb spreche ich in meinem Buch von der \u201e\u00d6konomie des B\u00f6sen\u201c. Wir reden dauernd \u00fcber Moral, Werte und Schuld. Viel zu selten sprechen wir \u00fcber die nackte Rechnung. Als ich dieses Kapitel schrieb, bezifferte der Global Peace Index die weltweiten \u00f6konomischen Auswirkungen von Gewalt f\u00fcr das Jahr 2023 auf 19,1 Billionen US-Dollar in Kaufkraftparit\u00e4ten. Das entsprach 13,5 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. Der aktuelle Global Peace Index nennt f\u00fcr das Jahr 2025 bereits 21,8 Billionen US-Dollar. Nat\u00fcrlich ist das kein Geldberg, der irgendwo auf einem Konto liegt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left wp-block-paragraph\">Es handelt sich um eine \u00f6konomische Wirkungsrechnung: direkte Kosten, indirekte Sch\u00e4den, Produktivit\u00e4tsverluste, Sicherheitsausgaben, Konfliktfolgen, Zerst\u00f6rung und Reparatur. Diese Berechnungen sind Ann\u00e4herungen. Aber sie sind pr\u00e4zise genug, um den \u00f6konomischen Wahnsinn des B\u00f6sen sichtbar zu machen. Und selbstverst\u00e4ndlich ist nicht jede Ausgabe f\u00fcr Polizei, Justiz, Verteidigung oder Sicherheit b\u00f6se. Diese Institutionen sch\u00fctzen Menschen, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit. Aber dieses gewaltige Kapital wird gebunden, weil Gewalt, Bedrohung und Zerst\u00f6rung existieren. Jeder Euro, der zur Abwehr, Eind\u00e4mmung oder Reparatur von Gewalt eingesetzt werden muss, kann nicht gleichzeitig in Bildung, Gesundheit, Forschung, Pr\u00e4vention und Zukunft investiert werden. Das B\u00f6se zerst\u00f6rt also nicht nur Leben. Es frisst unsere Zukunft. Es ist mittlerweile das gr\u00f6\u00dfte Gesch\u00e4ftsmodell der Menschheit. Nur wie immer bezahlt seine Rechnung bezahlt die Allgemeinheit. Diese Erkenntnis f\u00fchrt zur l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4lligen Frage: Warum ist das B\u00f6se so wirksam, w\u00e4hrend das Gute folgenlos bleibt?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left wp-block-paragraph\">Seit Jahrtausenden sprechen Menschen \u00fcber das Gute. Seit Mesopotamien entwickeln wir Regeln, Gebote, Gesetze und moralische Ordnungen. Philosophie, Religion und Ethik haben unser Verst\u00e4ndnis von W\u00fcrde, Gerechtigkeit, Verantwortung und Mitmenschlichkeit gepr\u00e4gt. Diese humane Substanz ist unverzichtbar. Aber die Zeit verlangt eine neue und drastische Form ihrer Umsetzung.<br><br>Das B\u00f6se f\u00e4hrt Hochgeschwindigkeit und die alte Ethik steht noch am Fahrkartenschalter. Sie erkl\u00e4rt, mahnt, appelliert und hofft. Sie formuliert Ideale. Sie beschreibt, wie der Mensch handeln sollte. Aber zwischen dem Wissen um das Gute und seiner Umsetzung liegt eine un\u00fcberbr\u00fcckbare L\u00fccke. Wir wissen genug. Aber wir handeln absolut zu wenig. Wir wissen seit<br>Jahrzehnten, was im Bildungssystem nicht funktioniert. Wir kennen die Folgen des demografischen Wandels. Wir wissen, dass Pr\u00e4vention g\u00fcnstiger ist als Reparatur. Wir sehen, wie Demokratien durch L\u00fcgen, Inszenierungen und Wirklichkeitsverweigerung besch\u00e4digt werden. Wir kennen die psychischen Folgen permanenter \u00dcberforderung. Wir wissen, wie dringend wir unsere Institutionen an die Zukunft anpassen m\u00fcssten. Und trotzdem verschieben, verwalten, kommentieren und vertagen wir. Das ist krankhafte B\u00fcromanie! <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left wp-block-paragraph\">Die Zukunft rauscht \u00fcber uns hinweg und wir kriechen mental hinterher. Genau an diesem Punkt beginnt meine Konkrethik. Konkrethik ist kein Angriff auf die Ethik. Sie ist ihre Fortsetzung unter den ungekannten Bedingungen von K\u00fcnstlicher Intelligenz, Exponentialit\u00e4t, Multimanipulation Megareichtum und extremer, psychischer \u00dcberforderung. Ethik ist ein Fahrrad und Konkrethik ist das Fahren selbst. Denn nur konkret Umgesetztes ver\u00e4ndert Wirklichkeit. Alles andere bleibt Absicht, Versprechen oder Hoffnung. Das Gute braucht keine weiteren Bewunderer. Es braucht Macht, Methode und Menschen, die ultimativ handeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left wp-block-paragraph\">Deshalb habe ich dieses Buch geschrieben. \u201eDie Wiederkehr des Guten\u201c tr\u00e4gt den Untertitel: \u201e\u00dcber die Macht der Tat in einer Welt der Absichten\u201c. Dieses Buch ist eine Manifestation und nat\u00fcrlich der Versuch, dem Guten endlich Macht zu verleihen. Es f\u00fchrt vom Zustand der Welt in den entscheidenden Sekundenraum unseres eigenen Gehirns und von dort zur\u00fcck in Beziehungen, Familien, Unternehmen, Institutionen, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Es fragt nicht nur: Was ist das Gute? Es fragt: Wie bringen wir das Gute in die Wirklichkeit? Wie entscheiden wir unter Druck? Wie verhindern wir, dass Wut, Angst, Kr\u00e4nkung, Gier oder Vorurteile unsere n\u00e4chste Handlung bestimmen? Wie gewinnen wir unsere Objektivit\u00e4t zur\u00fcck? Wie lernen wir, aus der Zukunft auf die Folgen unseres heutigen Handelns zu schauen? Und wie schaffen wir eine Gesellschaft, in der gutes Handeln nicht nur bewundert, sondern organisiert, \u00fcberpr\u00fcft, belohnt und wirtschaftlich erfolgreich wird?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left wp-block-paragraph\">Die humane Substanz des Guten ist uralt. Neu ist seine Betriebsform. Das neue Gute muss praktisch sein. Es muss trainierbar sein. Es muss \u00fcberpr\u00fcfbar und korrigierbar werden. Es muss seine Folgen offenlegen. Es muss messbare Wirkung erzeugen. Es muss skalierbar werden. Und es muss wirtschaftlich f\u00fcr alle attraktiv sein. Das Gute ist das unter den realen Bedingungen bestm\u00f6gliche humane Handeln. Es sch\u00fctzt W\u00fcrde, Freiheit und Zukunft. Es beruht auf einer gemeinsam \u00fcberpr\u00fcften Wirklichkeit. Es bedenkt die Folgen. Es bleibt lern- und korrekturf\u00e4hig.Und vor allem: Es wird tats\u00e4chlich getan. Daf\u00fcr brauchen Menschen ein gemeinsames Ziel und einen gemeinsamen Faktenboden. Wenn die einen eine \u00fcberpr\u00fcfbare Wirklichkeit anerkennen und die anderen sie zur Inszenierung erkl\u00e4ren, entsteht keine gemeinsame L\u00f6sung. Wenn Tatsachen privatisiert und den eigenen Interessen angepasst werden, endet jede Verst\u00e4ndigung. Dann beginnt der Kampf konkurrierender Wirklichkeiten. Objektivit\u00e4t bedeutet im konkrethischen Sinne deshalb Wirklichkeitstreue plus Folgenverantwortung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left wp-block-paragraph\">Niemand besitzt die Wahrheit. Aber jeder ist aufgefordert, seine Behauptungen an der bestm\u00f6glich ermittelten Wirklichkeit zu pr\u00fcfen. Deshalb brauchen wir ultimativ ein Navigationssystem f\u00fcr Impulskontrolle und verantwortliche Entscheidungen. Ich nenne sie Konkrethik, d.h. eine Gebrauchsanweisung f\u00fcr den objektiven Menschenverstand.<br><br>Ihr innerer Motor ist F+4, Freiheit plus 4 Pflichten. Das hei\u00dft, frei werden vom Druck fremder Meinungen, frei werden von den eigenen Urteilen \u00fcber andere, frei werden von der eigenen Meinung und schlie\u00dflich frei werden f\u00fcr eine neue und bessere M\u00f6glichkeit. Das ist weit mehr als eine Methode zur pers\u00f6nlichen Beruhigung. Es ist die mentale Grundlage einer neuen Handlungsepoche. Denn jede politische Entscheidung, jede unternehmerische Strategie, jeder Krieg, jede Vers\u00f6hnung, jede Innovation und jede gesellschaftliche Ver\u00e4nderung beginnt im Gehirn eines Menschen. Dort entscheidet sich, ob Angst oder Vernunft, Gier oder Verantwortung, Rache oder Zukunftsf\u00e4higkeit die F\u00fchrung \u00fcbernehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left wp-block-paragraph\">F+4 gibt uns die Freiheit zur\u00fcck, unsere automatischen Reaktionen zu unterbrechen. Aber diese Freiheit ist erst der Anfang. Denn aus innerer Freiheit muss \u00e4u\u00dfere Wirkung werden. Aus Erkenntnis muss Entscheidung werden. Aber diese Freiheit ist erst der Anfang. Denn aus innerer Freiheit muss \u00e4u\u00dfere Wirkung werden. Aus Erkenntnis muss Entscheidung werden. Aus der Entscheidung muss die Tat werden. Und aus vielen guten Taten kann schlie\u00dflich eine neue gesellschaftliche Ordnung entstehen.<br><br>Hier beginnt die wirklich gro\u00dfe Dimension der Konkrethik. Der einzelne Mensch kann gut handeln. Er kann verantwortlich entscheiden, auf Vorteile verzichten, anderen helfen und langfristige Folgen bedenken. Aber guter Wille allein ver\u00e4ndert keine Systeme. Guter Wille stoppt keinen Krieg. Guter Wille reformiert keine Bildung. Guter Wille verhindert keine organisierte Kriminalit\u00e4t. Guter Wille treibt keine Wirtschaft an, die kurzfristige Gewinne viel st\u00e4rker belohnt als langfristige Verantwortung. In einer pfeilschnellen Welt reicht es \u00fcberhaupt nicht mehr, an die Anst\u00e4ndigkeit der Einzelnen zu appellieren. Solange das Schlechte profitabler, schneller und machtvoller ist als das Gute, wird das Schlechte immer wieder gewinnen. Das ist die bittere, aber v\u00f6llig klare Wirklichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left wp-block-paragraph\">Das B\u00f6se hat l\u00e4ngst verstanden, wie man menschliche Schw\u00e4chen monetarisiert. Angst wird monetarisiert. Aufmerksamkeit wird monetarisiert. Sucht wird monetarisiert. Emp\u00f6rung wird monetarisiert. L\u00fcge, Gewalt, Datenmissbrauch und Manipulation werden monetarisiert. Mit unseren Schw\u00e4chen werden Milliarden verdient. Warum monetarisieren wir nicht endlich unsere St\u00e4rken?<br>Warum werden Pr\u00e4vention, F\u00fcrsorge, Bildung, Verl\u00e4sslichkeit, Integrit\u00e4t, Friedenssicherung und menschliche Entwicklung \u00f6konomisch noch immer wie freundliche Nebenleistungen behandelt? Warum ist es f\u00fcr erfolgreiches Unternehmen h\u00e4ufig billiger, Sch\u00e4den zu verursachen, als Sch\u00e4den zu verhindern? Warum muss derjenige, der fair handelt, oft mehr bezahlen, w\u00e4hrend derjenige, der Kosten auf andere, auf die Gesellschaft oder auf kommende Generationen abw\u00e4lzt, h\u00f6here Gewinne erzielt? Das ist kein Naturgesetz. Das ist eine falsche \u00f6konomische und mentale Konstruktion. Und Konstruktionen kann man ver\u00e4ndern, wenn man will.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left wp-block-paragraph\">Das Gute muss zwingend monetarisiert werden. Dieser Satz wird manche Menschen zun\u00e4chst irritieren. Denn wir haben gelernt, dass das Gute selbstlos sein m\u00fcsse. Wer f\u00fcr sein gutes Handeln einen Vorteil erh\u00e4lt, ger\u00e4t schnell unter moralischen Verdacht. Genau dieses Denken hat das Gute klein gehalten. Die Monetarisierung des Guten bedeutet nicht, Mitmenschlichkeit zu verkaufen. Wer f\u00fcr sein gutes Handeln einen Vorteil erh\u00e4lt, ger\u00e4t schnell unter moralischen Verdacht. Genau dieses Denken hat das Gute klein gehalten. Die Monetarisierung des Guten bedeutet nicht, Mitmenschlichkeit zu verkaufen. Sie bedeutet, den realen Wert guten Handelns endlich anzuerkennen, sichtbar zu machen und gesellschaftlich zu belohnen. Wer Gesundheit erh\u00e4lt, verhindert hohe Folgekosten. Wer junge Menschen bildet, schafft Zukunftsf\u00e4higkeit. Wer Mitarbeitende entwickelt, erzeugt Kompetenz,Bindung und Produktivit\u00e4t. Wer transparent wirtschaftet, st\u00e4rkt Vertrauen. Wer Konflikte verhindert, sch\u00fctzt Leben und Ressourcen. Wer Umweltzerst\u00f6rung vermeidet, bewahrt Zukunftskapital. Wer Menschen pflegt, betreut, sch\u00fctzt oder wieder in die Gesellschaft integriert, erbringt eine existenzielle Leistung. All dies hat einen messbaren Wert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left wp-block-paragraph\">Aber unser gegenw\u00e4rtiges Wirtschaftssystem bildet diesen Wert nicht ab. Was sich kurzfristig auf einem Konto niederschl\u00e4gt, gilt als Erfolg. Was erst in f\u00fcnf oder zehn Jahren Sch\u00e4den verhindert, Gesundheit erh\u00e4lt oder gesellschaftliche Stabilit\u00e4t schafft, wird \u00fcbersehen. Diese Logik ist nicht nur dumm, sie ist \u00f6konomisch r\u00fcckst\u00e4ndig. Die Konkrethik ver\u00e4ndert deshalb die Berechnung des Erfolgs. Erfolg ist nicht mehr allein, was jemand f\u00fcr sich gewinnt. Erfolg ist, was eine Handlung f\u00fcr andere erm\u00f6glicht, welche Sch\u00e4den sie verhindert, welche Zukunft sie schafft und welchen \u00fcberpr\u00fcfbaren Nutzen sie f\u00fcr die Gesellschaft hervorbringt. Das Gute muss zur wirtschaftlich kl\u00fcgeren Entscheidung werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left wp-block-paragraph\">Wer nachweislich gesellschaftlichen Nutzen erzeugt, muss daraus reale Vorteile ziehen. Wer nachweislich gesellschaftlichen Schaden verursacht, darf seine Gewinne nicht l\u00e4nger privatisieren und die Folgen der Allgemeinheit \u00fcberlassen. Gutes Handeln braucht einen Preis. Sch\u00e4dliches Handeln bekommt einen Preis, und zwar heftig! Und beide Preise m\u00fcssen der tats\u00e4chlichen Wirkung entsprechen. Das ist die neue \u00d6konomie des Guten. Eine solche Neuordnung war in fr\u00fcheren Jahrhunderten undenkbar. Uns fehlten die Daten, die Rechenkraft, die Transparenz und die technischen M\u00f6glichkeiten, um komplexe Wirkungen vollst\u00e4ndig zu erfassen. Heute ver\u00e4ndert sich diese Lage grundlegend. K\u00fcnstliche Intelligenz kann unfassbare Datenmengen vergleichen, systemische Wirkungszusammenh\u00e4nge erkennen, versteckte Kosten aufdecken, Lieferketten \u00fcberpr\u00fcfen, Widerspr\u00fcche identifizieren und Folgen simulieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left wp-block-paragraph\">Sie kann uns helfen, detailliert zu erkennen, wer gesellschaftlichen Wert schafft und wer Sch\u00e4den nur geschickt verbirgt und wer Steuern hinterzieht. Damit er\u00f6ffnet dieselb Technologie, die uns heute in Atem h\u00e4lt, eine historische Chance. KI kann zum Instrument der Objektivit\u00e4t und der Konkrethik werden. Aber nur, wenn wir sie konkrethisch gestalten, sonst f\u00fchrt sie uns geradewegs in die allgemeine Sklaverei. Wir m\u00fcssen wissen, wem diese Systeme geh\u00f6ren, mit welchen Daten sie arbeiten, welche Interessen in ihren Algorithmen verborgen sind und wer f\u00fcr ihre Entscheidungen verantwortlich bleibt. Eine konkrethische KI braucht konkrethisch m\u00fcndige Menschen. Wenn sich die Eigent\u00fcmer der K\u00fcnstlichen Intelligenz weiter und unaufhaltsam Billionen Dollar, Infrastrukturdominanz und Selbstbestimmungsrecht ergattern, sind wir hierarchisch wieder im Mittelalter angekommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left wp-block-paragraph\">Wir stehen an dieser historischen Weggabelung. Die K\u00fcnstliche Intelligenz wird unsere Welt in einer Geschwindigkeit ver\u00e4ndern, die wir absolut nicht einsch\u00e4tzen k\u00f6nnen. Sie wird enorme Produktivit\u00e4t erzeugen, Entscheidungen beeinflussen, Berufe ver\u00e4ndern, Wissen neu ordnen und Macht verschieben. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob diese Zukunft kommt.<br>Sie ist schon l\u00e4ngst da! Die entscheidende Frage lautet: Welcher menschliche Geist gestaltet sie? Ein Geist, der von Gier, Kr\u00e4nkung, Vorurteil, Machtphantasien und grenzenlosem Begehren beherrscht wird? Oder ein Geist, der gelernt hat, sich selbst zu unterbrechen, objektiver zu urteilen, Folgen vorauszudenken und das Bestm\u00f6gliche tats\u00e4chlich umzusetzen?<br><br>Die Konkrethik gibt darauf eine unmissverst\u00e4ndliche Antwort. Wir m\u00fcssen unsere biologischen Algorithmen trainieren, bevor k\u00fcnstliche Algorithmen unser Leben bestimmen. Wir m\u00fcssen das Gute aus der moralischen Bewunderung befreien und ins Zentrum unserer Entscheidungen stellen. Wir m\u00fcssen es organisieren, messen, belohnen und monetarisieren. Denn eine Welt, in der sich das B\u00f6se auszahlt und das Gute auf freiwillige Opfer angewiesen bleibt, kann keine gute Zukunft erzeugen. Das Gute darf nicht l\u00e4nger die unbezahlte Mehrleistung der Anst\u00e4ndigen sein. Es muss zur st\u00e4rksten Kraft unserer Gesellschaft werden. Zur intelligentesten Entscheidung. Zur attraktivsten wirtschaftlichen Option. Zum neuen Gesch\u00e4ftsmodell. Insofern werden Strafe und Sanktion auch zur Gerechtigkeit f\u00fcr die Ungerechten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left wp-block-paragraph\">Genau darin liegt der Anspruch dieses Buches. \u201eDie Wiederkehr des Guten\u201c ist keine R\u00fcckkehr in eine verkl\u00e4rte Vergangenheit. Sie ist der Aufbruch in eine neue Handlungsepoche. Eine Epoche, in der humane Intelligenz, K\u00fcnstliche Intelligenz und konkretes Handeln miteinander verbunden werden. Eine Epoche, in der wir das Gute nicht l\u00e4nger nur fordern, sondern durchsetzen. Eine Epoche, in der Verantwortung einen Wert erh\u00e4lt und Wirkung \u00fcber Ank\u00fcndigung triumphiert. Wir m\u00fcssen nicht zur Maschine werden, um mit den Maschinen Schritt zu halten.<br><br>Wir m\u00fcssen lernen, Herr und Frau unserer Reaktionen, unserer Technologien und unserer Zukunft zu werden. <br>K\u00fcnstliche Intelligenz beschleunigt die Welt. <br>Konkrethik gibt dieser Beschleunigung eine humane Richtung. <br>Das ist die historische Chance. Das ist die notwendige Ver\u00e4nderung. <br>Und das ist die Botschaft dieses Buches.<br>Die Wiederkehr des Guten ist kein Ereignis, auf das wir warten k\u00f6nnen. <br>Sie ist eine Entscheidung. <br>Ein Gesch\u00e4ftsmodell. <br>Und vor allem ein st\u00e4ndiges Tun.<br>Also, seid konkrethisch.<br>Jetzt. Gesagt. Getan.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Redeskript von Prof. Dr. Thomas Druyen zur Pressekonferenz zum Buch \u201eDie Wiederkehrdes Guten [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"iawp_total_views":26,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-5324","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/konkrethik.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5324","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/konkrethik.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/konkrethik.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/konkrethik.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/konkrethik.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5324"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/konkrethik.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5324\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/konkrethik.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5324"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/konkrethik.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5324"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/konkrethik.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5324"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}