Leseprobe

Seite 13 bis Seite 16

Tue ich es oder lasse ich es? Am Ende könnte es mehr Macherinnen und Macher geben und die Macht der Tat
einen selbst und die Welt verändern. Legen wir los …

Zum Aufbau dieses Buches

Dieses Buch folgt einer klaren Bewegung. Es beginnt bei den Ursprüngen der Konkrethik, führt durch die seelischen, geistigen und gesellschaftlichen Verwerfungen unserer Zeit und mündet in eine konkrete Praxis der Lebensveränderung. Denn genau darum geht es: um eine neue Form, das Gute unter den Bedingungen von Chaos, Beschleunigung und Zukunftsangst wirksam zu machen. Die Konkrethik will Orientierung nicht nur denken, sondern
in Handlung übersetzen.

Abschnitt A führt in den Ursprung der Konkrethik ein. Hier geht es um ihre biografischen, geistigen und praktischen Wurzeln. Dieser Anfang ist bewusst persönlich, weil Konkrethik aus Erfahrung, Konflikt, Verantwortung und gelebter Wirklichkeit entstanden ist. Zugleich werden in diesem Teil jene Begriffe, Werkzeuge und Grundlinien sichtbar, auf denen das gesamte Buch aufbaut.

Abschnitt B entwickelt die eigentliche Zeitdiagnose. Hier steht die Frage im Zentrum, warum unsere Gegenwart eine neue konkrethische Form braucht. Wir leben in einer Welt der Überforderung, der strategischen Interessen, der digitalen Verstärkung und der schwindenden Verbindlichkeiten. Gerade deshalb braucht es eine Konkrethik, die sich als Antwort auf eine postethische Wirklichkeit entfaltet. Hier entsteht auch das vorläufige Manifest der Konkrethik als Grundlage für alles Weitere.

Abschnitt C richtet den Blick auf die Psyche. Jede Epoche prägt das Innenleben der Menschen. Sie verändert Ängste, Erwartungen, Belastbarkeit, Wahrnehmung und Selbstbilder. Dieser Teil zeigt, was Unsicherheit, Dauerbeschleunigung und Zukunftsdruck mit uns machen und weshalb so viele Menschen hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben. Konkrethik erscheint hier als innere Ordnungsleistung als Kraft zur Sammlung, Klärung und Selbstführung.

Abschnitt D widmet sich den großen Kernfragen des Lebens. Was ist das Gute unter widersprüchlichen Bedingungen? Wie gehen wir mit Lüge, Manipulation, Bösem, Schuld und Ausweglosigkeit um? Dieser Teil führt mitten hinein in die entscheidenden Belastungsproben menschlichen Handelns. Hier zeigt sich, ob Konkrethik auch dort trägt, wo Entscheidungen schwer, konflikthaft und folgenreich werden.

Abschnitt E öffnet den Blick auf die neurobiologische Seite des Handelns. Der Mensch entscheidet nicht nur mit Überzeugungen, sondern auch mit Gewohnheiten, Impulsen, emotionalen Mustern und neuronalen Routinen. Wer sein Leben verändern will, muss daher verstehen, wie Aufmerksamkeit, Motivation, Selbststeuerung und Wiederholung zusammenwirken. In diesem Teil wird deutlich, warum die Konkrethik den Körper, das Gehirn
und die Dynamik des Verhaltens einbezieht.

Dann kommt Abschnitt F. Er ist der praktische Höhepunkt dieses Buches. Hier wird Konkrethik zur Navigation für das eigene Leben. Aus Gedanken werden Schritte, aus Einsichten Entscheidungen, aus Vorsätzen Handlungen. Dieser Teil zeigt, wie Menschen im Alltag anders reagieren, klarer wählen, konsequenter handeln und ihr Leben tatsächlich verändern können. Hier liegt der eigentliche Durchbruch: Die Konkrethik wird vom Gedanken zur Methode und von der Methode zur persönlichen Bewegung. Wer wissen will, wie Veränderung nicht nur gewünscht, sondern vollzogen wird, findet hier den entscheidenden Zugang.

Abschnitt G führt die Konkrethik auf die große Bühne von Gesellschaft, Ökonomie und Politik. Denn das Gute muss sich auch in den Strukturen unserer Welt bewähren. In diesem Teil wird sichtbar, wie Familien, Unternehmen, Institutionen, Städte und Demokratien durch konkrethisches Handeln stabiler, gerechter und zukunftsfähiger werden können. Im Zentrum steht dabei ein entscheidender Gedanke: Ein epochaler und existenzieller Wandel beginnt dort, wo das Gute belohnt wird. Erst die Monetarisierung und die systematische Anerkennung des Guten geben ihm jene Kraft, die es gegenüber Gier, Trägheit, Zynismus und kurzfristigem Vorteil dauerhaft durchsetzungsfähig macht.

So entfaltet sich dieses Buch als Weg. Es beginnt mit Ursprung und Grundlegung, führt durch Krise, Psyche, Wahrheit, Entscheidung und Neurobiologie und erreicht mit der praktischen Lebensveränderung seinen operativen Kern. Von dort aus öffnet es sich auf die großen Fragen unserer gemeinsamen Zukunft. Konkrethik ist damit nicht nur eine Deutung der Gegenwart.

Sie ist ein Handlungsmodell für Menschen, die in unruhigen Zeiten das Gute verwirklichen wollen
und demgemäß die Zukunft bauen.

Konkrethik und KI – Mensch bleiben im
Zeitalterder Algorithmen

Leseprobe: Seite 135 bis Seite 137

Künstliche Intelligenz ist blitzschnell, ungeheuer leistungsfähig und in den meisten Bereichen präziser als der Mensch. Sie diagnostiziert in der Medizin, empfiehlt Bewerber in der Personalwahl, steuert Verkehrsflüsse, verwaltet Ressourcen, erstellt Prognosen. Und doch bleibt sie noch, trotz aller Rechenkraft, grundsätzlich unverantwortlich. Denn Verantwortung ist keine Funktion, sondern eine Beziehung. Sie setzt Bewusstsein, Selbstreflexion, Empathie und moralische Einbettung voraus.

All das kann eine Maschine nicht leisten. KI kann bislang nicht eigenständig konkrethisch handeln, aber es wird möglich werden. Verantwortung beginnt dort, wo eine Handlung nicht nur technisch korrekt, sondern konkrethisch gerahmt ist. Sie entsteht im Bewusstsein dafür, dass mein Tun Folgen für andere hat und dass ich bereit bin, diese Folgen zu tragen. Maschinen kennen keine Absichten, sie haben keine Werte, keine Geschichte, keine Schuld- oder Reuefähigkeit. Sie simulieren Entscheidung, aber sie erleben sie nicht. Sie operieren mit Wahrscheinlichkeiten, aber sie bedeuten nichts. Deshalb gilt: Keine Maschine kann Verantwortung übernehmen. Sie kann sie nur technisch vorbereiten. Allerdings wirken die Sprachprogramme wie Kolleginnen und Kollegen. Sie sind aber wahrhaft Halluzinationen und mehr noch, sie sind der Staubsauger all unserer Äußerungen.

Die große Gefahr besteht darin, dass wir aus Bequemlichkeit, Effizienzillusionen oder Irrglauben beginnen, Maschinen moralisch zu überhöhen. Wenn Algorithmen Entscheidungen vorbereiten oder gar treffen, entsteht schnell der Eindruck, sie seien neutral oder objektiv. Doch das ist ein falscher Mythos. Algorithmen sind von Menschen gebaut, mit Daten trainiert, auf Ziele optimiert. Sie sind Verführungsmaschinen und kommunizieren exakt im Rahmen unserer Erwartungshaltungen. Ihre vermeintliche Unparteilichkeit ist ein Spiegel unserer Ansichten. Sie führen zu strukturellen Verzerrungen. Leider verstehen die wenigstens diese komplexe, intransparente und gefährliche Mechanik. Auch sie sollte ein Grundpfeiler der Zukunftspädagogik sein. Dass sie eines Tages über Quantencomputing ein viel höheres Maß an Objektivität ermöglichen, halte ich für wahrscheinlich. Aber who knows? Konkrethik macht hier einen klaren Schnitt: Sie erkennt die teilweise übermenschliche Leistungsfähigkeit technischer Systeme an, aber verweigert ihnen den konkrethischen Status. Maschinen sind Werkzeuge und keine Träger moralischer Qualität.

Es ist und bleibt der Mensch, der entscheidet, wer wann wie handelt und wer dafür die Verantwortung trägt. Sich dabei durch KI unterstützen zu lassen, halte ich für existentiell, denn die humane Gerechtigkeits- und moralische Handlungsbilanz ist wahrhaft schlecht und unverbindlich. Dennoch bleibt das Primat des Humanen für einige Jahrzehnte ausschlaggebend. Ein autonomes Fahrzeug, das bei einem Unfall eine Entscheidung trifft, handelt nicht wertebasiert. Es folgt einem programmierten Prioritätsalgorithmus. Die Verantwortung liegt nicht beim Auto, sondern bei den Menschen, die es konzipiert, programmiert, getestet und auf die Straße gebracht haben. Ein Chatbot, der diskriminierende Inhalte ausgibt, meint nichts, aber sein Output hat reale Wirkung. Auch hier liegt die Verantwortung nicht beim System, sondern bei denen, die es einsetzen, ohne es zu hinterfragen, oder weil es zum Geschäftsmodell passt. Diese technische Versagen ist immer digitalgenetisch auf die menschlichen Urheber zurückzuführen. Doch der Moment der Singularität wird kommen, wo Unglaubliches bei der Neugestaltung der Zivilisation möglich wird.
Aber das ist noch Zukunftsmusik und Science Fiction, die so oft richtig antizipiert hat.

Deshalb fordert Konkrethik eine vorläufige Klarheit: Wo Maschinen agieren, braucht es umso mehr menschliche Verantwortungsübernahme. Je autonomer das System, desto wacher muss das Bewusstsein des Menschen sein, der es beaufsichtigt. Der dazugehörige Wahrnehmungs- und Analyseprozess wird sicherlich KI-gestützt sein. Der Ruf nach Maschinenethik bleibt absurd. Was wir brauchen, ist eine transtechnische Konkrethik, die den Menschen als letzten Entscheidungsträger denkt, ihn aber entsprechend mit KI-Kompetenzen bei seinen Entscheidungen bestmöglich unterstützt. Wir sind tatsächlich viel zu begrenzt, um solche Dimensionen zu überschauen oder gar in ihrer systemischen Wechselseitigkeit zu verstehen.

Konkrethik stellt klar: Maschinen können helfen, unterstützen, beschleunigen und Licht ins Dunkel aller Datenuniversen bringen. Aber sie können noch nicht wollen und nicht abwägen, respektive verantworten. Deshalb ist jeder Versuch, moralische Kategorien auf KI zu übertragen, gefährlich. Er verschleiert, was auf dem Spiel steht: unsere Fähigkeit, letztverantwortlich zu handeln.

Dass im weiteren Verlauf der Technikentwicklung diese Verantwortung technisch verlässlicher ausgeübt werden kann, halte ich für möglich. Aber das gehört noch nicht in ein Buch über Konkrethik.

Emotionen als Träger von Bedeutung, nicht
als Gegner der Vernunft

Leseprobe: Seite 273 – 275

Emotionen sind keine Störung des Handelns, sie sind sein Ausgangspunkt. Bevor ein Mensch denkt, weiß sein Gehirn bereits, ob etwas wichtig ist. Diese Bedeutung entsteht nicht durch Abwägung, sondern durch emotionale Markierung. Emotionen verdichten Erfahrung. Sie sagen nicht, was richtig ist, aber sie zeigen, was zählt. Konkrethisches Handeln beginnt dort, wo diese Signale wahrgenommen werden, ohne ihnen ausgeliefert zu sein.

Das Gehirn arbeitet schneller, als das bewusste Denken folgen kann. In jeder Situation wird augenblicklich bewertet: Gefahr oder Chance, Nähe oder Distanz, Handlungsbedarf oder Abwarten. Diese Bewertung geschieht emotional. Ein Blick, ein Tonfall, eine Erinnerung reichen aus, um innere Spannung oder Zustimmung zu erzeugen. Wer glaubt, Entscheidungen entstünden erst im Denken, unterschätzt diese Geschwindigkeit. Konkrethik nimmt sie ernst und integriert sie bewusst. Emotionen liefern Orientierung in komplexen Situationen. Sie bündeln Erfahrungen zu handlungsleitenden Impulsen. Ein Handwerker, der spürt, dass etwas nicht stimmt, eine Pflegekraft, die Unruhe wahrnimmt, eine Führungskraft, die merkt, dass ein Gespräch kippt, all das sind emotionale Hinweise auf Bedeutung.

Konkrethisches Handeln entsteht nicht dadurch, diese Hinweise zu unterdrücken, sondern dadurch, sie zu lesen. Problematisch wird es dort, wo Emotionen unbemerkt dominieren. Angst verengt Wahrnehmung. Ärger beschleunigt Handlung. Euphorie blendet Risiken aus. Das Gehirn versucht, Spannung schnell zu lösen. Genau hier entsteht die Gefahr vorschneller Entscheidungen.

Konkrethik wirkt dieser Dynamik nicht durch Kontrolle, sondern durch Bewusstheit entgegen. Sie schafft einen inneren Raum zwischen emotionalem Impuls und Handlung. Dieser Raum öffnet sich oft nur kurz. Er dauert Sekunden, manchmal nur einen Atemzug. In dieser Phase tritt das Denken nicht als Verlust, sondern als Entlastung zurück. Dieses bewusste Nichtdenken ist keine Leere, sondern Freiheit. Das Gehirn unterbricht den automatischen Ablauf, ohne neue Bewertungen zu erzwingen. In diesem Moment kann Bedeutung neu geordnet werden. Deshalb habe ich öfter dies als Methode beschrieben oder vorgeschlagen: Nichtdenken. Diese Fähigkeit zeigt sich in allen Lebensbereichen. Eine Verkäuferin, die in einer eskalierenden Situation kurz innehält, statt sofort zu reagieren.

Ein Jugendlicher, der einen impulsiven Kommentar zurückhält, obwohl er ihn längst formuliert hat. Ein Unternehmer, der eine Entscheidung nicht sofort trifft, obwohl der Druck hoch ist. In diesen kurzen Unterbrechungen entsteht konkrete Freiheit. Sie ist klein, aber entscheidend. Emotionen bleiben dabei präsent. Sie werden nicht verdrängt, sondern neu eingeordnet. Das Gehirn erhält Zeit, weitere Signale einzubeziehen: Erfahrung, Kontext, mögliche Folgen. Vernunft tritt nicht gegen Emotion an, sondern ergänzt sie. Konkrethik besteht genau in dieser Verbindung. Emotion liefert Bedeutung, Vernunft strukturiert Handlung. Beides gehört zusammen. Ein häufiges Missverständnis liegt darin, Emotionen als privat oder irrational abzuwerten. In Wahrheit sind sie hochsozial. Sie reagieren auf Beziehungen, Erwartungen und Anerkennung. Wer ihre Wirkung versteht, erkennt, warum Konflikte eskalieren, warum Gespräche scheitern oder gelingen, warum Entscheidungen verteidigt oder bereut werden. Konkrethisches Handeln nutzt dieses Wissen, ohne es zu theoretisieren.

Das bewusste Nichtdenken spielt dabei eine Schlüsselrolle. Es unterbricht die Kaskade automatischer Bewertungen. Das Gehirn erhält die Möglichkeit, zwischen mehreren Handlungsoptionen zu wählen, statt einer inneren Dynamik zu folgen. Diese kurze Pause ist kein Rückzug, sondern ein aktiver Schritt. Sie verlangt Übung, aber keine besondere Begabung. Emotionen sind damit keine Gegner der Vernunft, sondern ihre Voraussetzung. Ohne emotionale Bedeutung gäbe es keine Richtung, ohne Vernunft keine Stabilität. Konkrethik verbindet beides in der Handlung.

Sie nutzt die Energie der Emotion und die Ordnung des Denkens, ohne sich von einem von beiden beherrschen zu lassen. Wer lernt, Emotionen als Bedeutungsträger zu verstehen, erweitert seinen Handlungsspielraum erheblich. Entscheidungen werden klarer, Konflikte überschaubarer, Verantwortung greifbarer. Konkrethik zeigt sich hier nicht als Technik, sondern als innere Haltung: aufmerksam für emotionale Signale, fähig zur kurzen Unterbrechung, bereit zur bewussten Entscheidung.

Die Ökonomie des Bösen

Leseprobe: Seite 340 – 343 

Wir reden dauernd über Moral, über Werte, über Schuld. Aber selten sprechen wir über die nackte Rechnung. Das Böse, hier verstanden als Gewalt, Krieg, organisierte Kriminalität, Terror, teuflische Verfehlung, ist kein abstrakter Schatten. Es ist ein gigantischer Wirtschaftsfaktor. Und zwar einer, der brutal Ressourcen frisst, bevor sie Zukunft schaffen können.

Beginnen wir mit der größten, methodisch konsistenten Zahl. Das Institute for Economics & Peace108 beziffert im Global Peace Index die ökonomischen Auswirkungen von Gewalt für das Jahr 2023 auf 19,1 Billionen US-Dollar (PPP). Das entspricht 13,5 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. Anders formuliert: Mehr als jeder achte weltweit erwirtschaftete Dollar wird durch Gewalt gebunden. Das ist keine moralische Metapher, sondern eine grauenhafte Ressourcenbilanz. Ich bin kein Ökonom. Es gibt viele seriöse Quellen, es gibt viele und viel mehr Berechnungsparameter. Die von mir gewählte Kenngröße ist eine Annäherung, aber das reicht für unsere konkrethische Betrachtung. Dennoch ist wichtig zu wissen, dass darin weder die Langzeitgesundheitsfolgen verheerender Übergriffe enthalten sind noch der gesamte Bereich der Darknet-Kriminalität. Und ganz wichtig, auch das Thema der Armut und der Armutsbeseitigung habe ich ausgeklammert, denn das Böse sind ja nicht die Armen, sondern diejenigen, die es erzeugen, in Kauf nehmen, ignorieren und nicht ändern. Eine solche Zahl könnte wahrscheinlich und nur vermutet nah an die Hälfte des Welt-GDP 2023, also des weltweiten Bruttoinlandsproduktes von 106 Billionen US-Dollar heranreichen. Was für eine absoluter Wahnsinn. In den eben genannten 19,1 Billionen Dollar stecken Militärapparate, innere Sicherheitssysteme, Justiz, Gefängnisse, Konfliktschäden, Flüchtlingsbewegungen, Produktivitätsverluste, direkte Gewaltfolgen. Allein die Ausgaben für Polizei, Justiz und Strafvollzug summieren sich global auf rund 5,4 Billionen USDollar (PPP). Inhaftierung als Unterposten schlägt mit über 134 Milliarden US-Dollar zu Buche. Bewaffnete Konflikte verursachen im engeren Sinn fast 907 Milliarden US-Dollar. Terrorismus wirkt mit rund 18,9 Milliarden US-Dollar als eigenständige Kategorie.Wer diese Zahlen liest, muss sich eine einfache Frage stellen: Wie viele Schulen, Forschungsinstitute, Krankenhäuser, KI-Labore oder nachhaltige Infrastrukturen entstehen nicht, weil diese Mittel gebunden sind?

Nun zur zweiten Ebene: die realen Haushaltsabflüsse. Nach dem Stockholm International Peace Research Institute beliefen sich die weltweiten Militärausgaben 2023 auf 2,443 Billionen US-Dollar (nominal). Das sind echte Budgets und reale Steuerströme, verbuchte Zahlungen. Also kein Modell, keine Kaufkraftkorrektur, sondern reales Geld. Hinzu kommt die organisierte Kriminalität als Schattenökonomie. Das United Nations Office on Drugs and Crime verweist auf eine globale Größenordnung transnationaler organisierter Kriminalität von rund 870 Milliarden US-Dollar. Das ist kein sauberer Schadenswert, sondern eine Markt- und Umsatzschätzung. Aber sie zeigt, dass das Böse nicht nur Kosten verursacht, sondern auch eigene ökonomische Systeme erzeugt. Das sind parasitäre Märkte, die sich aus Unsicherheit speisen. Für Darknet-Gesamtschäden existiert dagegen keine institutionell abgesicherte globale Jahresgesamtsumme in US-Dollar. Gerade diese Lücke ist bezeichnend und wieder höchst paradox. Wir wissen, dass es existiert, wir sehen die Effekte, aber selbst die globale Statistik kann das Volumen nicht präzise fixieren. Da ist noch viel zu tun für die Künstliche Intelligenz, wenn man sie lässt oder wenn sie vielleicht doch irgendwann in der Lage ist, selbst das Böse zu bekämpfen. Der entscheidende Punkt ist, dass diese Zahlen Annäherungen, Modelle, Aggregationen, kaufkraftbereinigte Konstruktionen oder budgetbasierte Momentaufnahmen sind. Sie sind nicht wirklich präzise. Aber sie sind präzise genug, um den ökonomischen Wahnsinn sichtbar zu machen. Das Böse ist kein Randphänomen. Es ist ein makroökonomischer Faktor ersten Ranges. Wenn 19 Billionen Dollar an Ressourcen jährlich gebunden werden, dann bedeutet das nicht nur Kosten. Es bedeutet Opportunitätsverlust. Jeder Dollar, der in Zerstörung, Abwehr oder Reparatur fließt, fehlt in Bildung, Innovation, Gesundheit, Zukunftsforschung. Gewalt ist damit nicht nur moralisch verwerflich, sondern ökonomisch irrational.

Und hier beginnt die eigentliche Provokation: Wir behandeln das Gute oft als Ideal. Das Schlechte dagegen akzeptieren wir als Realität. Ökonomisch betrachtet müsste es umgekehrt sein. Frieden, Stabilität, Vertrauen und Rechtssicherheit sind die produktivsten Investitionsbedingungen, die eine Gesellschaft erzeugen kann. Die Ökonomie des Bösen zeigt deshalb nicht nur, wie teuer Zerstörung ist. Sie zeigt, wie rentabel das Gute wäre.

Wer über Zukunft spricht, muss über Kapitalbindung sprechen. Und wer über Kapitalbindung spricht, muss anerkennen: Das Böse ist eines der teuersten Geschäftsmodelle der Menschheit, nur leider ein destruktives. Diese Zahlen sind keine exakte Endabrechnung. Aber sie sind eine robuste Demonstration, und sie legen eine nüchterne Wahrheit offen: Konkrethik ist kein Luxus, sondern eine ökonomische Notwendigkeit, eine Überlebensstrategie.

Finale und Rückblickaus dem Jahre 2035

Leseprobe: Seite 353 – 354

Konkrethik ist 2035 kein akademisches Konzept. Sie ist Teil von Bildung und Pädagogik, sie beginnt im Elternhaus, im Kindergarten, bei der Ausbildung von Führungskräften, ist Bestandteil von Innovationsstrategien, Grundlage politischer Rechenschaft. Sie hat eine Kultur geprägt, die weiß: Technologie erweitert den Möglichkeitsraum, aber nur Haltung bestimmt seine Richtung. Wenn wir aus 2035 zurück in unsere Gegenwart schauen, erkennen wir den entscheidenden Punkt:

Die Zukunft war nie das Problem. Das Problem waren die Unentschlossenheit im Umgang mit ihr so wie die Rückwärtsgewandheit und die falsche Einsicht, Vergangenheit immer weiterzutreiben, anstatt sie gemäß besserer Einsichten neu zu erfinden.

Der Zukunftskompass der Konkrethik zeigt deshalb nicht nach Osten oder Westen, nach Norden oder nach Süden, nicht nach Tradition oder Disruption, sondern nach vorn. Die Zukunft ist das, was wir aus ihr machen, egal was war. Er zeigt auf den handelnden Menschen, denn dort beginnt jede Epoche. Dort entscheidet sich, ob Intelligenz, Quantenwelt und Erweiterung zur Entfaltung führen oder zur Entfremdung. 2035 hat gezeigt: Bewusstsein kann mit Technologie wachsen. Die Künstliche Intelligenz ist vor allem eine Kompensation der menschlichen Schwächen, denn wir sind für die neue Welt zu begrenzt, und damit ein gigantischer Fortschritt. Jetzt haben wir alle auch eine globale Brille. Die gleichzeitige Angst vor der Künstlichen Intelligenz ist begründet, denn wir wissen:
Nichts ist ohne sein Gegenteil wahr, und natürlich kann sie missbraucht werden oder sich selbst missbrauchen.
Aber ihre optionale Schlechtigkeit liegt vor allem darin begründet, dass sie ein menschlicher Spiegel ist, 
dass sie von uns allen permanent programmiert wird, dass sie brutal neue Geschäftsideen exekutiert und dass sie einigen wenigen, ohne Zweifel mit herausragender Intelligenz und Mut, die Chance bot, so reich zu werden,
dass man sie kaum einholen kann.

Selbstverständlich braucht KI Regeln, aber dazu bedarf es einer neuen Politik, neuer Politiker und einer konkrethischen Übereinkunft, wie die Zukunft funktionieren soll. Wer immer zu spät kommt und dann Regeln aufsetzt, darf sich nicht wundern, dass ihm nichts gelingt und er auch nichts bewirkt. Viele bewährte
Handwerkszeuge haben ihren Dienst getan und jetzt ihren Geist aufgegeben. Das Normale ist tot. Wir müssen
neu beginnen. Die Lösung und neue Lösungen sollten ständig erzeugt werden. Das ist unser aller Aufgabe:
die Welt zu verbessernund für eine gute Zukunft und alle Nachkommen zu optimieren.

Die Frage ist nicht mehr, ob wir es können.

Die Frage ist, ob wir es wollen.

Gesagt, getan.