Redeskript von Prof. Dr. Thomas Druyen zur Pressekonferenz zum Buch „Die Wiederkehrdes Guten – Über die Macht der Tat in einer Welt der Absichten“ am 17.08.2026

Hallo zusammen, willkommen im opta data Videostudio und zu meiner Buchvorstellung. Ein toller Moment für
mich, denn die Publikation beinhaltet zwanzig Jahre Reflexion. Das Buch selbst ist eine ausgeklügelte Waschstraße für unseren Kopf. Und ich hoffe, ich kann sie beflügeln. Dann geht’s los, nach dem Motto: gesagt, getan.

Das Böse ist heute schneller, digitaler und viel besser organisiert als das Gute. Das ist keine rhetorische Übertreibung. Es ist die brandgefährliche Ausgangslage unserer Gegenwart. Wir halten die Werkzeuge der Zukunft in den Händen. Aber wir reagieren noch immer mit den Reflexen der Vergangenheit.

Künstliche Intelligenz verarbeitet in Sekunden, wofür Menschen früher Jahre brauchten. Sie analysiert Daten, erzeugt Bilder, schreibt Programme, beeinflusst Entscheidungen, steuert Maschinen/Märkte und verändert unsere Vorstellung davon, was überhaupt möglich ist. Diese Entwicklung ist atemraubend und sie ist unumkehrbar. Unsere Institutionen, unsere Kulturen und unsere Denkweisen verändern sich jedoch viel langsamer. Die Technologie beschleunigt exponentiell. Der Mensch tritt total auf der Stelle. Genau darin liegt die epochale und existentielle Herausforderung. Der Mensch ist noch nicht dümmer. Aber unsere Welt verändert sich viel schneller, als wir das verarbeiten können. Wir empfangen immer mehr Informationen, haben aber immer weniger Zeit, sie zu prüfen. Wir reagieren, bevor wir verstanden haben. Wir urteilen, bevor wir wissen. Wir teilen, bevor wir kontrolliert haben und wir entscheiden, bevor wir die Folgen unseres Handeln wirklich verstehen. Das ist die mentale Krise der Gegenwart.

Das ist keine psychiatrische Diagnose. Das ist unser zivilisatorischer Zustand und in dieser Form noch nie dagewesen! Die Geschwindigkeit der Reize wächst schneller als die Qualität ihrer Verarbeitung. Zwischen Ereignis und Reaktion verschwindet der Raum, in dem Besonnenheit, Objektivität und Verantwortung entstehen könnten. Unser Gehirn ist das großartigste Organ, aber es ist zunächst ein Überlebensorgan. Es sucht nicht automatisch nach Wahrheit. Es sucht nach Sicherheit, Bestätigung, Zugehörigkeit und schneller Orientierung. Was uns bedroht, empört oder verunsichert, erhält sofort unsere Aufmerksamkeit. Der Alarm
kommt zuerst. Die sorgfältige Prüfung folgt danach, leider immer öfter zu spät, meistens aber gar nicht. Genau diese mentalen Muster werden heute von künstlichen Algorithmen angesprochen. Empörung erzeugt Aufmerksamkeit. Angst erzeugt Bindung. Feindbilder vereinfachen die Welt. Wiederholung wird mit Wahrheit verwechselt. Lautstärke ersetzt Begründung. Reichweite verdrängt Wahrheit. Darin liegt unsere mentale und epochale Krise:

Unsere Möglichkeiten sind gewaltig und unfassbar gewachsen.
Unsere Fähigkeit, mit diesen Möglichkeiten verantwortlich umzugehen aber, hinken dramatisch hinterher.

Künstliche Intelligenz ist dabei weder gut noch böse. Sie kann Krankheiten früher erkennen, Forschung beschleunigen, Bildung personalisieren, Widersprüche aufdecken und Manipulationen sichtbar machen. Sie kann von unschätzbarem Nutzen sein. Natürlich aber kann dieselbe Technologie täuschen, kontrollieren, vernichten, zerstören und entmündigen. Eine Drohne kann eine Blutkonserve in ein unzugängliches Gebiet bringen. Sie kann ebenso einen Menschen töten. Aber nicht die Technologie entscheidet. Der Mensch entscheidet. Noch.

KI erweitert unsere Möglichkeiten unentwegt. Doch auf diese Verantwortung ist der Mensch mental nicht vorbereitet. Gerade wächst seine Macht schneller als seine Impulskontrolle. Fundamentales Begehren, grenzenloser Egozentrismus und gigantische Technologien knallen aufeinander. Jetzt bekommt das Böse einen historischen Wirkungsbeschleuniger. Und genau da
sind wir jetzt. Aber was ist das Böse? Das Böse ist die absichtliche oder billigend in Kauf genommene Schädigung von Menschen, Würde, Freiheit, Wahrheit und Zukunft zugunsten von Macht, Besitz, Lust, Ideologie oder egozentrischem Begehren. Noch kürzer: Das Böse beginnt, wenn das Ich sich für die ganze Welt hält und andere Menschen nur noch als Mittel benutzt. Das Böse beginnt
nicht erst beim Krieg, beim Terror oder beim Verbrechen. Dort zeigt es seine brutalsten Folgen.

Sein Anfang ist häufig viel alltäglicher. Ein Begehren wird zum vermeintlichen Recht. Eine Kränkung wird zur Rache. Ein Vorurteil wird zur Gewissheit. Eine Lüge wird so lange wiederholt bis Millionen Menschen sie für wahr halten. Ein wirtschaftlicher Vorteil wird verfolgt, obwohl andere Menschen dafür den Preis bezahlen. Verantwortung wird abgeschoben. Schaden wird verschleiert. Die eigene Meinung wird mit der Wahrheit verwechselt. Leider besitzt das Böse heutzutage vier gewaltige Wettbewerbsvorteile: Es handelt viel schneller. Es kennt keine Hemmungen. Es benutzt jede verfügbare Technologie. Und es lässt andere bedingungslos für die Folgen bezahlen. Das Böse ist längst viel besser organisiert. Das Gute träumt von Idealen. Deshalb spreche ich in meinem Buch von der „Ökonomie des Bösen“. Wir reden dauernd über Moral, Werte und Schuld. Viel zu selten sprechen wir über die nackte Rechnung. Als ich dieses Kapitel schrieb, bezifferte der Global Peace Index die weltweiten ökonomischen Auswirkungen von Gewalt für das Jahr 2023 auf 19,1 Billionen US-Dollar in Kaufkraftparitäten. Das entsprach 13,5 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. Der aktuelle Global Peace Index nennt für das Jahr 2025 bereits 21,8 Billionen US-Dollar. Natürlich ist das kein Geldberg, der irgendwo auf einem Konto liegt.

Es handelt sich um eine ökonomische Wirkungsrechnung: direkte Kosten, indirekte Schäden, Produktivitätsverluste, Sicherheitsausgaben, Konfliktfolgen, Zerstörung und Reparatur. Diese Berechnungen sind Annäherungen. Aber sie sind präzise genug, um den ökonomischen Wahnsinn des Bösen sichtbar zu machen. Und selbstverständlich ist nicht jede Ausgabe für Polizei, Justiz, Verteidigung oder Sicherheit böse. Diese Institutionen schützen Menschen, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit. Aber dieses gewaltige Kapital wird gebunden, weil Gewalt, Bedrohung und Zerstörung existieren. Jeder Euro, der zur Abwehr, Eindämmung oder Reparatur von Gewalt eingesetzt werden muss, kann nicht gleichzeitig in Bildung, Gesundheit, Forschung, Prävention und Zukunft investiert werden. Das Böse zerstört also nicht nur Leben. Es frisst unsere Zukunft. Es ist mittlerweile das größte Geschäftsmodell der Menschheit. Nur wie immer bezahlt seine Rechnung bezahlt die Allgemeinheit. Diese Erkenntnis führt zur längst überfälligen Frage: Warum ist das Böse so wirksam, während das Gute folgenlos bleibt?

Seit Jahrtausenden sprechen Menschen über das Gute. Seit Mesopotamien entwickeln wir Regeln, Gebote, Gesetze und moralische Ordnungen. Philosophie, Religion und Ethik haben unser Verständnis von Würde, Gerechtigkeit, Verantwortung und Mitmenschlichkeit geprägt. Diese humane Substanz ist unverzichtbar. Aber die Zeit verlangt eine neue und drastische Form ihrer Umsetzung.

Das Böse fährt Hochgeschwindigkeit und die alte Ethik steht noch am Fahrkartenschalter. Sie erklärt, mahnt, appelliert und hofft. Sie formuliert Ideale. Sie beschreibt, wie der Mensch handeln sollte. Aber zwischen dem Wissen um das Gute und seiner Umsetzung liegt eine unüberbrückbare Lücke. Wir wissen genug. Aber wir handeln absolut zu wenig. Wir wissen seit
Jahrzehnten, was im Bildungssystem nicht funktioniert. Wir kennen die Folgen des demografischen Wandels. Wir wissen, dass Prävention günstiger ist als Reparatur. Wir sehen, wie Demokratien durch Lügen, Inszenierungen und Wirklichkeitsverweigerung beschädigt werden. Wir kennen die psychischen Folgen permanenter Überforderung. Wir wissen, wie dringend wir unsere Institutionen an die Zukunft anpassen müssten. Und trotzdem verschieben, verwalten, kommentieren und vertagen wir. Das ist krankhafte Büromanie!

Die Zukunft rauscht über uns hinweg und wir kriechen mental hinterher. Genau an diesem Punkt beginnt meine Konkrethik. Konkrethik ist kein Angriff auf die Ethik. Sie ist ihre Fortsetzung unter den ungekannten Bedingungen von Künstlicher Intelligenz, Exponentialität, Multimanipulation Megareichtum und extremer, psychischer Überforderung. Ethik ist ein Fahrrad und Konkrethik ist das Fahren selbst. Denn nur konkret Umgesetztes verändert Wirklichkeit. Alles andere bleibt Absicht, Versprechen oder Hoffnung. Das Gute braucht keine weiteren Bewunderer. Es braucht Macht, Methode und Menschen, die ultimativ handeln.

Deshalb habe ich dieses Buch geschrieben. „Die Wiederkehr des Guten“ trägt den Untertitel: „Über die Macht der Tat in einer Welt der Absichten“. Dieses Buch ist eine Manifestation und natürlich der Versuch, dem Guten endlich Macht zu verleihen. Es führt vom Zustand der Welt in den entscheidenden Sekundenraum unseres eigenen Gehirns und von dort zurück in Beziehungen, Familien, Unternehmen, Institutionen, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Es fragt nicht nur: Was ist das Gute? Es fragt: Wie bringen wir das Gute in die Wirklichkeit? Wie entscheiden wir unter Druck? Wie verhindern wir, dass Wut, Angst, Kränkung, Gier oder Vorurteile unsere nächste Handlung bestimmen? Wie gewinnen wir unsere Objektivität zurück? Wie lernen wir, aus der Zukunft auf die Folgen unseres heutigen Handelns zu schauen? Und wie schaffen wir eine Gesellschaft, in der gutes Handeln nicht nur bewundert, sondern organisiert, überprüft, belohnt und wirtschaftlich erfolgreich wird?

Die humane Substanz des Guten ist uralt. Neu ist seine Betriebsform. Das neue Gute muss praktisch sein. Es muss trainierbar sein. Es muss überprüfbar und korrigierbar werden. Es muss seine Folgen offenlegen. Es muss messbare Wirkung erzeugen. Es muss skalierbar werden. Und es muss wirtschaftlich für alle attraktiv sein. Das Gute ist das unter den realen Bedingungen bestmögliche humane Handeln. Es schützt Würde, Freiheit und Zukunft. Es beruht auf einer gemeinsam überprüften Wirklichkeit. Es bedenkt die Folgen. Es bleibt lern- und korrekturfähig.Und vor allem: Es wird tatsächlich getan. Dafür brauchen Menschen ein gemeinsames Ziel und einen gemeinsamen Faktenboden. Wenn die einen eine überprüfbare Wirklichkeit anerkennen und die anderen sie zur Inszenierung erklären, entsteht keine gemeinsame Lösung. Wenn Tatsachen privatisiert und den eigenen Interessen angepasst werden, endet jede Verständigung. Dann beginnt der Kampf konkurrierender Wirklichkeiten. Objektivität bedeutet im konkrethischen Sinne deshalb Wirklichkeitstreue plus Folgenverantwortung.

Niemand besitzt die Wahrheit. Aber jeder ist aufgefordert, seine Behauptungen an der bestmöglich ermittelten Wirklichkeit zu prüfen. Deshalb brauchen wir ultimativ ein Navigationssystem für Impulskontrolle und verantwortliche Entscheidungen. Ich nenne sie Konkrethik, d.h. eine Gebrauchsanweisung für den objektiven Menschenverstand.

Ihr innerer Motor ist F+4, Freiheit plus 4 Pflichten. Das heißt, frei werden vom Druck fremder Meinungen, frei werden von den eigenen Urteilen über andere, frei werden von der eigenen Meinung und schließlich frei werden für eine neue und bessere Möglichkeit. Das ist weit mehr als eine Methode zur persönlichen Beruhigung. Es ist die mentale Grundlage einer neuen Handlungsepoche. Denn jede politische Entscheidung, jede unternehmerische Strategie, jeder Krieg, jede Versöhnung, jede Innovation und jede gesellschaftliche Veränderung beginnt im Gehirn eines Menschen. Dort entscheidet sich, ob Angst oder Vernunft, Gier oder Verantwortung, Rache oder Zukunftsfähigkeit die Führung übernehmen.

F+4 gibt uns die Freiheit zurück, unsere automatischen Reaktionen zu unterbrechen. Aber diese Freiheit ist erst der Anfang. Denn aus innerer Freiheit muss äußere Wirkung werden. Aus Erkenntnis muss Entscheidung werden. Aber diese Freiheit ist erst der Anfang. Denn aus innerer Freiheit muss äußere Wirkung werden. Aus Erkenntnis muss Entscheidung werden. Aus der Entscheidung muss die Tat werden. Und aus vielen guten Taten kann schließlich eine neue gesellschaftliche Ordnung entstehen.

Hier beginnt die wirklich große Dimension der Konkrethik. Der einzelne Mensch kann gut handeln. Er kann verantwortlich entscheiden, auf Vorteile verzichten, anderen helfen und langfristige Folgen bedenken. Aber guter Wille allein verändert keine Systeme. Guter Wille stoppt keinen Krieg. Guter Wille reformiert keine Bildung. Guter Wille verhindert keine organisierte Kriminalität. Guter Wille treibt keine Wirtschaft an, die kurzfristige Gewinne viel stärker belohnt als langfristige Verantwortung. In einer pfeilschnellen Welt reicht es überhaupt nicht mehr, an die Anständigkeit der Einzelnen zu appellieren. Solange das Schlechte profitabler, schneller und machtvoller ist als das Gute, wird das Schlechte immer wieder gewinnen. Das ist die bittere, aber völlig klare Wirklichkeit.

Das Böse hat längst verstanden, wie man menschliche Schwächen monetarisiert. Angst wird monetarisiert. Aufmerksamkeit wird monetarisiert. Sucht wird monetarisiert. Empörung wird monetarisiert. Lüge, Gewalt, Datenmissbrauch und Manipulation werden monetarisiert. Mit unseren Schwächen werden Milliarden verdient. Warum monetarisieren wir nicht endlich unsere Stärken?
Warum werden Prävention, Fürsorge, Bildung, Verlässlichkeit, Integrität, Friedenssicherung und menschliche Entwicklung ökonomisch noch immer wie freundliche Nebenleistungen behandelt? Warum ist es für erfolgreiches Unternehmen häufig billiger, Schäden zu verursachen, als Schäden zu verhindern? Warum muss derjenige, der fair handelt, oft mehr bezahlen, während derjenige, der Kosten auf andere, auf die Gesellschaft oder auf kommende Generationen abwälzt, höhere Gewinne erzielt? Das ist kein Naturgesetz. Das ist eine falsche ökonomische und mentale Konstruktion. Und Konstruktionen kann man verändern, wenn man will.

Das Gute muss zwingend monetarisiert werden. Dieser Satz wird manche Menschen zunächst irritieren. Denn wir haben gelernt, dass das Gute selbstlos sein müsse. Wer für sein gutes Handeln einen Vorteil erhält, gerät schnell unter moralischen Verdacht. Genau dieses Denken hat das Gute klein gehalten. Die Monetarisierung des Guten bedeutet nicht, Mitmenschlichkeit zu verkaufen. Wer für sein gutes Handeln einen Vorteil erhält, gerät schnell unter moralischen Verdacht. Genau dieses Denken hat das Gute klein gehalten. Die Monetarisierung des Guten bedeutet nicht, Mitmenschlichkeit zu verkaufen. Sie bedeutet, den realen Wert guten Handelns endlich anzuerkennen, sichtbar zu machen und gesellschaftlich zu belohnen. Wer Gesundheit erhält, verhindert hohe Folgekosten. Wer junge Menschen bildet, schafft Zukunftsfähigkeit. Wer Mitarbeitende entwickelt, erzeugt Kompetenz,Bindung und Produktivität. Wer transparent wirtschaftet, stärkt Vertrauen. Wer Konflikte verhindert, schützt Leben und Ressourcen. Wer Umweltzerstörung vermeidet, bewahrt Zukunftskapital. Wer Menschen pflegt, betreut, schützt oder wieder in die Gesellschaft integriert, erbringt eine existenzielle Leistung. All dies hat einen messbaren Wert.

Aber unser gegenwärtiges Wirtschaftssystem bildet diesen Wert nicht ab. Was sich kurzfristig auf einem Konto niederschlägt, gilt als Erfolg. Was erst in fünf oder zehn Jahren Schäden verhindert, Gesundheit erhält oder gesellschaftliche Stabilität schafft, wird übersehen. Diese Logik ist nicht nur dumm, sie ist ökonomisch rückständig. Die Konkrethik verändert deshalb die Berechnung des Erfolgs. Erfolg ist nicht mehr allein, was jemand für sich gewinnt. Erfolg ist, was eine Handlung für andere ermöglicht, welche Schäden sie verhindert, welche Zukunft sie schafft und welchen überprüfbaren Nutzen sie für die Gesellschaft hervorbringt. Das Gute muss zur wirtschaftlich klügeren Entscheidung werden.

Wer nachweislich gesellschaftlichen Nutzen erzeugt, muss daraus reale Vorteile ziehen. Wer nachweislich gesellschaftlichen Schaden verursacht, darf seine Gewinne nicht länger privatisieren und die Folgen der Allgemeinheit überlassen. Gutes Handeln braucht einen Preis. Schädliches Handeln bekommt einen Preis, und zwar heftig! Und beide Preise müssen der tatsächlichen Wirkung entsprechen. Das ist die neue Ökonomie des Guten. Eine solche Neuordnung war in früheren Jahrhunderten undenkbar. Uns fehlten die Daten, die Rechenkraft, die Transparenz und die technischen Möglichkeiten, um komplexe Wirkungen vollständig zu erfassen. Heute verändert sich diese Lage grundlegend. Künstliche Intelligenz kann unfassbare Datenmengen vergleichen, systemische Wirkungszusammenhänge erkennen, versteckte Kosten aufdecken, Lieferketten überprüfen, Widersprüche identifizieren und Folgen simulieren.

Sie kann uns helfen, detailliert zu erkennen, wer gesellschaftlichen Wert schafft und wer Schäden nur geschickt verbirgt und wer Steuern hinterzieht. Damit eröffnet dieselb Technologie, die uns heute in Atem hält, eine historische Chance. KI kann zum Instrument der Objektivität und der Konkrethik werden. Aber nur, wenn wir sie konkrethisch gestalten, sonst führt sie uns geradewegs in die allgemeine Sklaverei. Wir müssen wissen, wem diese Systeme gehören, mit welchen Daten sie arbeiten, welche Interessen in ihren Algorithmen verborgen sind und wer für ihre Entscheidungen verantwortlich bleibt. Eine konkrethische KI braucht konkrethisch mündige Menschen. Wenn sich die Eigentümer der Künstlichen Intelligenz weiter und unaufhaltsam Billionen Dollar, Infrastrukturdominanz und Selbstbestimmungsrecht ergattern, sind wir hierarchisch wieder im Mittelalter angekommen.

Wir stehen an dieser historischen Weggabelung. Die Künstliche Intelligenz wird unsere Welt in einer Geschwindigkeit verändern, die wir absolut nicht einschätzen können. Sie wird enorme Produktivität erzeugen, Entscheidungen beeinflussen, Berufe verändern, Wissen neu ordnen und Macht verschieben. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob diese Zukunft kommt.
Sie ist schon längst da! Die entscheidende Frage lautet: Welcher menschliche Geist gestaltet sie? Ein Geist, der von Gier, Kränkung, Vorurteil, Machtphantasien und grenzenlosem Begehren beherrscht wird? Oder ein Geist, der gelernt hat, sich selbst zu unterbrechen, objektiver zu urteilen, Folgen vorauszudenken und das Bestmögliche tatsächlich umzusetzen?

Die Konkrethik gibt darauf eine unmissverständliche Antwort. Wir müssen unsere biologischen Algorithmen trainieren, bevor künstliche Algorithmen unser Leben bestimmen. Wir müssen das Gute aus der moralischen Bewunderung befreien und ins Zentrum unserer Entscheidungen stellen. Wir müssen es organisieren, messen, belohnen und monetarisieren. Denn eine Welt, in der sich das Böse auszahlt und das Gute auf freiwillige Opfer angewiesen bleibt, kann keine gute Zukunft erzeugen. Das Gute darf nicht länger die unbezahlte Mehrleistung der Anständigen sein. Es muss zur stärksten Kraft unserer Gesellschaft werden. Zur intelligentesten Entscheidung. Zur attraktivsten wirtschaftlichen Option. Zum neuen Geschäftsmodell. Insofern werden Strafe und Sanktion auch zur Gerechtigkeit für die Ungerechten.

Genau darin liegt der Anspruch dieses Buches. „Die Wiederkehr des Guten“ ist keine Rückkehr in eine verklärte Vergangenheit. Sie ist der Aufbruch in eine neue Handlungsepoche. Eine Epoche, in der humane Intelligenz, Künstliche Intelligenz und konkretes Handeln miteinander verbunden werden. Eine Epoche, in der wir das Gute nicht länger nur fordern, sondern durchsetzen. Eine Epoche, in der Verantwortung einen Wert erhält und Wirkung über Ankündigung triumphiert. Wir müssen nicht zur Maschine werden, um mit den Maschinen Schritt zu halten.

Wir müssen lernen, Herr und Frau unserer Reaktionen, unserer Technologien und unserer Zukunft zu werden.
Künstliche Intelligenz beschleunigt die Welt.
Konkrethik gibt dieser Beschleunigung eine humane Richtung.
Das ist die historische Chance. Das ist die notwendige Veränderung.
Und das ist die Botschaft dieses Buches.
Die Wiederkehr des Guten ist kein Ereignis, auf das wir warten können.
Sie ist eine Entscheidung.
Ein Geschäftsmodell.
Und vor allem ein ständiges Tun.
Also, seid konkrethisch.
Jetzt. Gesagt. Getan.